1.000 TÜCHER

GEGEN DAS VERGESSEN

Zum Projekt der „1.000 Tücher“

Im Jahr 2020 jährt sich das Massaker von Srebrenica zum 25. Mal, und die Tuchfabrik (TUFA), Triers soziokulturelles Zentrum, wird 35 Jahre alt. Gegründet als Kultur- und Kommunikationszentrum in den Räumen einer alten Tuchfabrik im Herzen von Trier, will die TUFA in ihrem Jubiläumsjahr aus soziokultureller Perspektive auf die
Geschichte blicken: ihre Geschichte und die europäische Geschichte der jüngeren Vergangenheit.

Als soziokulturelles Zentrum und Ort der Begegnung einerseits und als ehemalige Fabrikationsstätten von Tuch andererseits will die TUFA in ihrem Jubiläumsjahr ihre Geschichte und ihren kulturellen Auftrag zusammendenken und unter dem Titel „Auf TUCHfühlung“ ein breit gefächertes künstlerisches und soziokulturelles Projekt rund um die Ausstellung „1.000 Tücher“ durchführen.

Neben einer Ausstellung wird es Diskussions- und Gesprächsreihen, Begegnungsformate, Konzerte und Workshops zur künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Thema geben.

 

Ausstellung „1.000 Tücher gegen das Vergessen“

Freitag | 06.03.2020 || 20:00 Uhr ||| Vernissage

Die Rolle des Gedenkens, bosnisch Rola sjećanja, erinnert an Menschen, die in den 1990er Jahren während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien getötet wurden. Ab 2002 entwickelt die Schweizer Künstlerin Anna S. Brägger im Rahmen der Trauma-Therapie des Berliner Vereins südost Europa Kultur das stetig wachsende textile Kunstwerk für Geflüchtete aus dem Westbalkan: Die Frauen sticken die Namen und Lebensdaten ihrer getöteten Angehörigen, Freunde und Nachbarn auf Stofftaschentücher. Das Sticken eines Gedenktuchs löst viele Erinnerungen aus, schöne und schmerzliche. Welches war die Lieblingsblume des geliebten Menschen, welche Farben mochte er besonders? Über welches Motiv hätte er sich gefreut? Wie wäre das Leben gemeinsam weiterverlaufen, wenn der Krieg dem nicht ein jähes Ende gesetzt hätte?

Anna S. Brägger fügt die einzelnen Stoffbahnen zusammen und schafft damit ein bewegliches Denkmal gegen das Vergessen und für den Frieden, das seit 2004 im In- und Ausland präsentiert wird. Die Rola, die derzeit 47 laufende Meter misst, wächst ständig weiter, so auch im Rahmen der Präsentation in der Tuchfabrik Trier. Audiostationen geben den stickenden Frauen eine zusätzliche Stimme.

Land­schaftsaufnahmen von Nihad Nino Pušija führen in die Region ein. Dem historischen und aktuellen gesellschaftlichen Kontext der Konflikte in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens geht die Ausstellung streiflichtartig nach.

Mit Vorträgen von Beate Wild (Kuratorin, Museum Europäischer Kulturen Berlin) und Bosiljka Schedlich, die das Ausstellungsprojekt von Anfang an begleitet haben

Musikalische Begleitung:
Vernesa Berbo (Gesang)
Amira Berbo (Piano, Gesang)

In Bosnien sagt man „Das was man liebt, teilt man mit Menschen, die man liebt.“  Vernesa Berbo teilt ihre geliebten Lieder mit ihrer Tochter Amira, zusammen verwandeln sie alte Lieder aus Bosnien zu einem neuen Sound aus Berlin.

Ausstellung 2. OG | Veranstalter: TUFA e.V. |

Ausstellungszeitraum: 06.03.2020 – 26.06.2020

Öffnungzeiten Montag – Freitag 14 – 18 Uhr, Sa / So geschlossen

In der letzten Ausstellungswoche vom 22.06. bis 26.06. bieten wir noch einmal die Möglichkeit an, dass Besucher*innen sich von der Künstlerin Anna S. Brägger durch die Ausstellung führen lassen.

Wer Interesse an einer Führung hat, kann sich unter info@tufa-trier.de oder telefonisch unter 0651 7182412 voranmelden, Gruppen dürfen sich maximal aus zwei Haushalten zusammensetzen. Um unnötige Kontakte zu vermeiden, verzichten wir auch hier auf Eintrittszahlungen und bitten unsere Besucher*innen um eine freiwillige Spende.

Freiheit vs. Authorität – Community-Dance-Workshop mit Hannah Ma

Ab Samstag | 07.03.2020 || 11-14 Uhr ||| Workshop

Der Körper als Sphäre der steten Reibung zwischen „Wollen“ und „Müssen“ reflektiert nicht nur persönliche, individuelle Bedürfnisse und das individuelle Wesen – er ist stets auch Zeitzeuge und Spiegel kollektiver Erfahrungen und gesellschaftlicher Gegebenheiten.

Im eigenen Körpererleben ist eine Reflexion auf die gesellschaftlichen Gegebenheiten des „etwas Müssens“ und gleichzeitig „frei- sein Wollens“ möglich. Gelingt es mir selbst, mich trotz der „Unfreiheit“, der ich mich im „Körperhaben“ ausgeliefert  fühle, frei zu fühlen- das Ringen mit der Autonomie des Körpers auf ein Minimum zu reduzieren- kann ich maximale Freiheit erleben.

Verschiedenen Techniken wie Yoga, Meditation und Tanz- und Theaterimprovisationsmethoden machen spielerisch sichtbar, wo die Grenzen unseres Körpers sind und wie wir diese ausdehnen können.

Betrachtet man den Körper als das „ureigene Hoheitsgebiet“, als das jedem Menschen geschenkte, individuelle „Land“, kann man Analogien zu politischen Gegebenheiten, Territorialkonflikten und gewaltvollen Übergriffen durch Körperarbeit veranschaulichen.

An drei Wochenenden erarbeiten die Teilnehmer Räume der Freiheit und Unfreiheit, Autoritäre Systeme, Begegnungen und Möglichkeiten der Annäherung und Abgrenzung. In einer Improvisierten Performance werden diese Räume in der Ausstellung „1000 Tücher“ zum Ausdruck kommen.

Termine:

  • 07./08.03.2020: 11:00 – 14:00 Uhr
  • 04./05.04.2020: 14:00 – 17:00 Uhr mit anschl. Besuch der Performance von Nora Amin
  • 25./26.04.2020: 11:00 – 14:00 Uhr, 13:00 – 14:00 Uhr Abschlussperformance Ausstellungsraum

Balletsaal | Veranstalter: TUFA e.V. | Workshopzeitraum: 07.03.2020 – 26.04.2020

Anmeldung und Info: hannahma@icloud.com

Kosten: 135 € / ermäßigt 85 €

www.hannahmadance.com

TUFA_Projekte_1000 Tücher_Krieg. Stell dir vor er wäre hier

KRIEG. STELL DIR VOR, ER WÄRE HIER

Sonntag | 08.03.2020 ||  16:00 Uhr ||| Theater (ab Klasse 7)

Was wäre, wenn wir die Flüchtlinge wären? Janne Teller nimmt in ihrem Text »Krieg. Stell dir vor, er wäre hier« einen Perspektivwechsel vor: Europa befindet sich im Krieg. Die demokratischen Staaten sind zusammengebrochen und faschistische Diktaturen entstanden. Das Land ist zerstört, viele Menschen sind gestorben. Nirgends ist es sicher. Du hast Angst um deine Familie und um die Zukunft. Die einzige Chance ist die Flucht. Der 14-jährige Protagonist flieht mit seiner Familie nach Ägypten, kommt in ein Flüchtlingslager und versucht ein neues Leben zu beginnen. Das Heimweh ist groß und das Lagerleben zermürbend. Nur langsam lernt er die Sprache. Solange das Asylverfahren läuft, darf er nicht zur Schule gehen, nicht arbeiten, das Lager nicht verlassen. Die Jahre vergehen, die Sehnsucht nach dem zu Hause nimmt zu, aber wo ist das eigentlich, wenn der Krieg kein Ende nimmt?

Kooperationspartner von: Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

Jugendtheaterstück von Janne Teller, Theater der Altmark Stendal

Inszenierung: Carsten Ramm
Mit: Ole Xylander

Workshopraum I | Veranstalter: TUFA e.V. | 6 €

Weitere Termine:
Schulvorstellungen: 09.03. + 10.03. 10 Uhr | 5 € Schüler

Anmeldung unter: info@tufa-trier.de

Interkulturelles Frühstück

Sonntag | 22.03.2020 || ab 11:00 Uhr

Im Rahmen des Projektes ‚1000 Tücher gegen das Vergessen‘ veranstalten wir ein offenes Begegnungs- und Gesprächsformat, in dem das gemeinsame Essen, Reden und Musizieren im Vordergrund stehen. Die Künstlerin Anna S. Brägger und einige der Frauen, die die Arbeit an der Rola im Berliner Verein südost Europa Kultur e.V. begonnen haben, werden an der Veranstaltung teilnehmen. Musikalisch wird die Veranstaltung von dem serbisch-stämmigen Tenor Svetislav Stojanovic begleitet. Gemeinsam mit einem Akkordeonisten präsentiert er Musik aus den verschiedenen Regionen des ehemaligen Jugoslawiens und weist so auf das Verbindende der Musik, auf gemeinsame kulturelle und sprachliche Wurzeln hin.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus statt.

Keine Voranmeldung nötig.

Ausstellung 2. OG | Veranstalter: TUFA e.V. | Eintritt frei

TUFA_Projekte_1000 Tücher_Vernesa Berbo und die Balkan Boys

Vernesa Berbo und die Balkan Boys

Samstag | 04.04.2020 || 20:00 Uhr ||| Konzert

Vier Musiker aus dem Thüringer Balkanwald treffen auf die Schauspielerin und Sängerin Vernesa Berbo. Zusammen besingen sie Liebe, Mut, Schönheit und die Sehnsucht nach Nirgendwo. Balkan Jazz, Soul und Folk!

Moderner Balkan Jazz, gepaart mit Soul und Folk – dieses musikalische Erfolgsrezept zwischen Modern und Tradition begeistert das Publikum und lädt zum Tanz!

Großer Saal | Veranstalter: TUFA e.V. | Eintritt VVK 15 / 13 €

Nora Amin – Resurrection: Solo Performance

Sonntag | 05.04.2020 || 18:00 Uhr ||| Performance

„Resurrection“ ist ein Tanzritual, inspiriert von wahren Ereignissen des kollektiven Todes.  „Auferstehung“ will eine politische Aussage sein, die die Menschenwürde und den Wert des menschlichen Lebens unterstützt, sowie ein Ritual, das die menschliche Bindung in Bezug auf das universelle Erbe von Schmerz, Überleben, Vergebung und Heilung wiederherstellt.

Das Stück würde in über zehn Jahren entwickelt und erreichte seine heutige Form in den Jahren 2016 / 2017. Anlass zur Entwicklung von „Resurrection“ war der Tod von über 50 ägyptischen Theaterkünstler*innen durch ein Feuer am 05. September 2005. Unter den Opfern war Saleh Saad, der Teile der Performance inspirierte. Saleh Saad war Nora Amins Partner, der ihr nur wenige Tage vor dem Feuer die Vision seines eignen Todes erzählte. Neben dem Aspekt der persönlichen und kollektiven Trauerbewältigung erhielt die Performance 2007 eine weitere Dimension, als Nora Amin auf Frauen traf, die den Bürgerkrieg im Sudan überlebt haben. Das Gefühl politische Unterdrückung, Krieg und Folter miterlebt zu haben und wie diese Erlebnisse auf Leben der Frauen, die diese Erinnerungen in sich tragen, einwirken, ließ Nora Amin ebenfalls in ihre Performance einfließen.

Choreographie und Performance: Nora Amin
Music: Nader Sami und Ramz Sabry

Sprache: Englisch und Arabisch
Dauer: 45 Minuten


Großer Saal | Veranstalter: TUFA e.V. | Eintritt VVK 12 / 10 €

Copyright Fotos: Mohamed Mamdouh

TUFA_Projekte_1000 Tücher_Nora Amin
TUFA_Projekte_1000 Tücher_Sevdah Lab

SevdahLab mit Damir Imamović

Samstag | 18.04.2020 || ?? Uhr ||| Musik-Workshop

Damir Imamović ist die Stimme der zeitgenössischen Balkan-Musik. In seinem Projekt SevdahLab führt er seine intensiven Recherchen über das Genre und seine Wunsch, die Musikrichtung weiterzugeben zusammen: SevadhLab ist ein spannender Workshop mit Vorträgen und Praxis zur Geschichte, Kultur und Ästhetik der Sevdah-Musik.

Mit seinem SevdahLab unterrichtete Damir Imamović bereits in internationalen Musik-Instituten wie der Old Town School of Folk Music (Chicago, USA) oder dem Collegio Internazionale Ca‘ Foscari (Venice, Italy).

Anmeldung und Info: info@tufa-trier.de

Ausstellung 1.OG | Veranstalter: TUFA e.V. 

Damir Imamović

Sonntag | 19.04.2020 || 18:00 Uhr ||| Konzert

Damir Imamović (geb. 1978) ist ein Sänger, Sevdalinka-Musiker und Autor aus Sarajevo, Bosnien-Herzegovina. Er stammt aus einer Familie von Sevdalinka-Musikern und repräsentiert eine neue Generation des traditionellen bosnischen Musikstils. Seit 2005 steht er solo, im Duett oder mit seiner Band dem “Sevdah Takht” auf der Bühne und wirkte bei verschiedenen Projekten, unter anderem mit Jelena Popržan, Bojan Z, Eric Vloeimans, Greg Cohen und Derya Türkan, mit.

Im Laufe seiner Karriere nahm er sechs Studioalben auf und arbeitet mit Produzenten wie Chris Eckmann und Joe Boyd zusammen. Mit seinen Projekten und seiner Musik tourte Damir Imamović bereits durch ganz Europa, China, Mexico und die USA. Neben seiner Karriere als Musiker arbeitet er mit seinem SevdahLab-Programm aktiv als Lehrer traditioneller Musik und schrieb mit seinem Buch «Sevdah» die erste historische Aufarbeitung des Genres (Vrijeme, 2016). Bei seinem Auftritt in Trier wird er von der virtuosen, bosnischen Violinistin Ivana Djurić begleitet.

Kleiner Saal | Veranstalter: TUFA e.V. | Eintritt VVK 15 /12 €

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